Montag, 28. Dezember 2015

Werwolf-Geschichten

Ich erzähle ja nicht nur Märchen, sondern bisweilen schreibe ich sie auch. :)


Diesmal aber habe ich sie schreiben lassen ^^ - und zwar von der wunderbaren 3C Klasse, die ich  in Deutsch unterrichten darf! Das Ergebnis trägt den Titel

VENATOR NOCTIS - Töte mit Bedacht.

Im Rahmen eines Projektes haben wir gemeinsam eine phantastische, spannende Handlung entwickelt und ein Dorf mit Werwölfen heimgesucht... wie es ausgeht verrate ich natürlich nicht...


Das Buch wurde über einen Book-on-Demand-Verlag veröffentlicht. Das heißt vom Schreiben, Lektorieren bis hin zur Covergestaltung wurde alles von den Schülerinnen und Schülern selbst gemacht!
Erhältlich ist unser Opus Magnum, erschienen als Taschenbuch, Hardcover und auch e-Book, ganz klassisch über den Buchhandel, oder über amazon und direkt über myMorawa.



Lasst euch überraschen, welche großartigen Texte einer ganzen Klasse einfallen können, wenn man die Geschichten  in ihnen nur wachsen lässt!

 Die ersten Bücher sind inzwischen ausgliefert, meine Klasse ist eifrig am Werbung machen. :) Außerdem ist ein Bericht über dieses großartige Projekt inzwischen auf der Schulhomepage des Akademischen Gymnasium zu finden.

Und was ich außerdem großartig finde ist dieses Foto: Da postet myMorawa auf seiner Facebookseite ein Foto von den nächsten Büchern, die verpackt und versendet werden sollen - und fafst zwei Stapel davon sind unsere Veator-Noctis-Ausgaben! :) Da kommt Freude auf!


Nachdem wir nun in der "Werbephase" für dieses spannende Buch sind, konnten wir - das heißt natürlich die 3c Klasse - die Kronenzeitung zu einem Interview überreden. Hier ein kleiner Bericht von zwei Schülerinnen über diese spannende(n) Stunde(n).

 

Wir kommen in die Zeitung!

Ein Bericht von Evelyn Kessler & Lisa Pabst


Nach zwei Schulstunden des Wartens wurde die Türschnalle gedrückt - und unser Atem stockte. Seit einigen Tagen warteten wir – die 3C Klasse – schon darauf: Das lang ersehnte Interview mit der Reporterin der Kronenzeitung!
Es war ein riesengroßer Erfolg, dass wir mit einer so bekannten Zeitung über unser Buch sprechen durften. Die Antworten gingen uns nie aus und somit endete diese Stunde sehr schnell und auch die Fotos waren nach kurzer Zeit erledigt.
Man merkt wie dieses Buch uns zusammengeschweißt hat, denn jeder war daran beteiligt und keiner wurde ausgeschlossen. Die Reporterin war sichtlich überrascht, dass wir so viel zu sagen hatten und jeder von uns jede Frage beantworten konnte. Es war ein wunderbares Glücksgefühl über das Buch, an dem man wochenlang gearbeitet hatte, berichten zu dürfen. So sehr wir uns auch gefreut hatten, trotzdem mussten die zwei Mitarbeiter der Kronenzeitung schließlich wieder gehen und wir freuen uns jetzt schon unbeschreiblich (voraussichtlich) am 17.02 in dieser Zeitung erwähnt zu werden.

Montag, 7. Dezember 2015

Weihnachtsmärchen in Stübing

Bei der Veranstaltung "Tannengraß und Lebzeltstern" durfte ich weihnachtliche Märchen in der Rauchstube bei Kerzenlicht und Feuerschein erzählen. Es war ein wundervoll stimmungsvoller Tag - und ich freue mich schon, wenn es  mich wieder einmal in Freilichtmuseum Stübing verschlägt.

 

Unterstützt wurden wir beim Erzählen von der Löffelbacher Stubenmusi (siehe Foto) und Barbara Prietl mit ihren Musikanten. Besser kann es gar nicht sein!


...und jetzt weiß ich auch, wieso eine Rauchstube Rauchstube heißt: Wenn's Feuer brennt, dann ist es g'scheit, wenn man recht lange sitzen bleibt, weil sonst steht man mit dem Kopf genau in den Rauchschwaden. Gemütlich ist es auf jeden Fall. :)

Sonntag, 22. November 2015

Herzkinder

Noch einmal ein kleiner Rückblick auf den wunderbaren Märchenabend für den Herzkinder-Verband. Es erzählten Mariou, Astrid Andrae, Justine Sundl, Manfred Rosenberger, die Mundwerkerin Maria Walch und meine Wenigkeit ;) Am Monochord erklang Renate Seiffert.


Sechs ErzählerInnen, unterschiedliche Märchen - und dazu außergewöhnliche Musik.


Donnerstag, 19. November 2015

Das Tränenkrüglein

 Ich habe hier eines der Märchen für euch, das ich bei der Benefizveranstaltung für Herzkranke Kinder am 13.11. erzählt habe...



Von der Macht der Tränen oder Das Tränenkrüglein
(frei nach Giambattista Basile, Pentameron, 16. Jh.)


Einst wurde einem Königspaar ein kleiner Prinz geboren, lieb und gesund, wie sie ihn sich gewünscht hatten. Doch wer weiß, wie es kam, dass eine mächtige Fee – oder war es eine Hexe? -, welche das Königspaar durch irgendeine Handlung wohl verletzt hatte, den Knaben zu immer währender Krankheit verfluchte, für die es keine Heilung geben sollte. Erst ein Mädchen, das ein ganzes Krüglein um seinetwillen mit ihren eigenen Tränen voll weine, könne ihm die Krankheit dereinst abwaschen und ihn gesund machen.
Zur selben Zeit kam in einem anderen Königreich eine Prinzessin zur Welt, deren Eltern ebenso versehentlich den Zorn einer Mächtigen auf sich zogen, doch ihr wurde ein anderer Fluch zuteil. Das Mädchen sollte niemals in ihrem Leben lachen können.


So gingen die Jahre dahin, der Prinz und die Prinzessin, die voneinander nichts wusste, wuchsen heran und keiner von ihnen verlebte einen einzigen wahrhaft glücklichen Tag.
Da kam einmal eine Alte in das Königreich, in dem das Mädchen lebte, und die Frau wackelte so wunderlich mit ihrem Kopf und lehnte sich zitternd auf ihren krummen Krückstock, dass ein jeder, der sie sah, lachen musste – allein die Prinzessin blieb ernst wie eh. Da trat die Alte zu ihr hin und sagte: „Ich sehe wohl, dass du ein gutes Herz hast und nicht leichtfertig über Alter und Schwäche lachen magst. Deshalb höre: ich weiß von einem Prinzen, der von einer schweren Krankheit befallen ist. Nur wer um seinetwillen ein Krüglein mit den eigenen Tränen voll weinen kann, vermag ihm seine Krankheit abzuwaschen. Ich bin mir sicher, dass er hernach die zur Frau nehmen wird, die ihm seine Gesundheit wiedergegeben hat...“
Da erwiderte die Prinzessin: „So bin es womöglich ich, die ihm helfen kann, denn seit ich denken kann, habe ich nicht einmal lachen mögen.“ Und sie nahm ein Krüglein und ging in jenes Königreich, das die Alte ihr gewiesen hatte.
So kam sie zu dem Schloss des Prinzen und setzte sich auf einen Hügel, von dem sie Tag um Tag hinab auf den Schlossgarten blicken konnte, wo der junge Prinz spazieren ging, wenn er denn die Kraft dazu hatte. Und wie sie ihn da so sah, da stiegen ihr die Tränen in die Augen und Tropfen um salzigen Tropfen füllte sich das Krüglein.
Dies jedoch sah eine eifersüchtige Magd, die selbst gerne Prinzessin gewesen wäre. Und als die wahre Prinzessin eines abends müde vom Weinen einschlief, da nahm sie ihr das Krüglein weg, und weil nur noch ein paar Tropfen fehlten, ehe es ganz voll war, rieb sie sich Zwiebel um die Augen und mit Müh' und Not konnte sie das Gefäß voll weinen.
Da ging die Magd zu dem kranken Prinzen hin. „Siehe, um deinetwillen habe ich dies Krüglein voll geweint!“, sagte sei und wusch ihm mit den Tränen die Krankheit ab. Und siehe da – der Prinz schien tatsächlich gesund zu werden. Und weil er meinte, das müsse nun einmal nach solch einem Wunder so sein, machte er die Magd zu seiner Braut und die Hochzeit sollte bald mit aller Freude gehalten werden.
Doch merkwürdig – irgendwie schien nur sein Leib gesund geworden zu sein. Im Herzen war es ihm noch immer so, als würde die Krankheit an ihm nagen.


Als die Prinzessin anderntags erwachte und sah, dass das fast volle Krüglein verschwunden war, da weinte sie umso mehr, da sie ahnte, dass eine andere wohl den Prinzen geheilt und sein Herz gewonnen hatte, sodass ihre Tränen in das Gras fielen, wo sie saß. So lange hatte sie um des kranken Prinzen willen geweint – und fast hatte sie gemeint, dass ihr eigenes Herz davon leichter wurde. Doch weil ihr der Anblick des Schlosses und des jungen Prinzen lieb geworden war, wollte sie den Hügel nicht mehr verlassen und blieb dort sitzen und weinte.
Doch sie sah nicht, wie mit jedem Tropfen, der von ihren Augen auf die Wiese fiel, eine kleine Blüte ihr Köpfen emporstreckte und sich glitzernd wie Tau der Sonne zuwandte.


Der Prinz jedoch, auch wenn sein Leib nun wieder gesund war, konnte keine rechte Freude finden, so als säße irgendwo, versteckt, noch immer die bittere Krankheit in seinem Herzen und nage im Verborgenen an ihm. So ging er eines Tages wieder in seinem Schlossgarten spazieren, als er auf einmal wundersame Blüten sah, schimmernd wie Tau, die dort, auf dem Hügel ihre Köpfchen der Sonne entgegen streckten. Verwundert ob lieblichen Gewächse stieg er hinauf.
Dort setzte er sich mitten unter die Blumen und weil sie ihm wie Tränchen aussahen, begann er zu weinen.
Da trat auf einmal einmal das Mädchen zu ihm. „Was weinst du?“, fragte sie.
Er erwiderte: „Ich weine, weil ich gesund bin und mein Herz noch immer leidet.“
„Hat denn nicht ein Krüglein voll Tränen deine Krankheit abgewaschen?“, fragte sie.
„Das hat es wohl, doch mein Herz ist dabei nicht gesund geworden. Nun weiß ich, dass nichts auf der Welt mehr meinen Schmerz lindern kann.“
Da begann die Prinzessin mit ihm zu weinen und just so viel Tränen fielen dabei auf seine Hände, wie noch gefehlt hätten, dass das Tränenkrüglein voll geworden wäre.


Da schaute der Prinz auf und mit einem Male wurde ihm so leicht ums Herz, wie noch bisher. Wie wohl tat es ihm, einmal mit einer Menschenseele gemeinsam von Herzen zu weinen! Und er nahm sie in die Arme – so schön war es und sanft, als hätte es immer so sein müssen.
Da erkannte er, dass die Falsche ihn geheilt hatte und er sagte zu der Prinzessin: „Deine Tränen haben mich gesund gemacht, nicht das Krüglein, das die andere vollgeweint hat!“
„Fast jeden Tropfen darin habe ich geweint!“, erwiderte die Prinzessin.
„Du bist meine wahre Braut! Du sollst meine Königin werden!“, rief er da aus.
Da spürte die Prinzessin auf einmal so ein merkwürdigen Ziehen in der Brust. Es drückte und kitzelte und ihre Lippen kribbelten und sie wusste nicht, wie ihr geschah, es zog und ziepte – da lachte sie auf! So glücklich war sie, dass sie laut lachen musste und nie mehr, solange sie an der Seite des Prinzen lebte, vergoss sie mehr eine weitere Träne.


Sonntag, 8. November 2015

Märchen auf Burg Wildegg

Vielen lieben Dank an alle, die bei meinen beiden Märchen-Workshops zugehört und so begeistert miterzählt haben! Es war wirklich unheimlich spannend für mich, wie sich die Märchen, die wir gemeinsam haben entstehen lassen, sich verselbstständigt haben und so unerwartete Wendungen nahmen. Großartig! Alleine hätte mir das nie einfallen können. :)
...wer hätte auch ahnen können, was Drachen wirklich wollen...


Es hat mir große Freude bereitet am Abend dann, bei Kerzenlicht vor Publikum und mit einer echten (!) Spinnerin als Zuhörerin, meine geliebte Hegelingen-Saga zu erzählen, die Abenteuer von "Strohhalm, Kohle und Bohne" zu berichten - und sogar eine Weihnachtsgeschichte mit euch zu teilen. :)


Ich hoffe, wir sehen und hören einander im nächsten Jahr wieder!

...und wenn sie nicht gestorben sind, dann wundern sie sich wohl noch immer, wieso sie den Drachen nicht gleich gefragt haben, was denn sein Problem mit der Prinzessin war...^^


Dienstag, 20. Oktober 2015

Märchen im Doppelpack


Ich freue mich schon sehr, dass ich in Zukunft hier und da nicht nur allein, sondern mit der wundervollen Chawwah zusammen Märchen erzählen darf! - Und nicht nur das: bei sagen.klang werden sich Wort und Ton vermischen, wir werden mit alten und neuen Instrumenten die Geschichten zum Leben und Klingen bringen.

Montag, 5. Oktober 2015

Märchen vom Glück bringen Glück

...wenn Märchen über das Glück auch noch Glück bringen...
Ich freue mich sehr, bei dieser Gelegenheit neben so vielen anderen Erzählerinnen und Erzählern meine Geschichten beisteuern zu dürfen!

Montag, 21. September 2015

Starke Märchen für starke Frauen


Am 13. Oktober werde ich für starke Frauen starke Märchen und Geschichten erzählen - und zwar beim Herbstfest im Frauenhaus in Kapfenberg.

Keep strong! Ich freue mich!

Donnerstag, 27. August 2015

Neue Geschichten

"Sag, wo kommen denn alle neuen Geschichten her? Sag, wo wachsen deine Märchen?"


"Dort, hinter dem Horizont, wo die Fische durch die Wolken fliegen und die Vögel in den Gischtkronen ihre Perlen ernten, dort kommen die neuen Geschichten her. Dort, wo der dritte Stern von links am liebsten seine Blüten pflückt, dort wachsen meine Märchen..."

...neue Infos, Geschichten und Termine meiner nächsten Auftritte folgen in Bälde. :)

Freitag, 7. August 2015

Workshops auf Burg Wildegg

Ich freue mich sehr, auch bei den heurigen Workshops auf Burg Wildegg  von 23. bis 26. Oktober 2015 mit ein paar Märchen und Sagen vertreten zu sein!
Geplant sind ein Workshop mit gemeinsamem Erzählen und verschiedenen Übungen und Spielen rund um Märchen und Sagen - ich hoffe es werden sich genügend TeilnehmerInnen für eine gemütliche Runde finden. Außerdem werde ich an einem Abend quer durch meinen Geschichtenschatz erzählen.

 

der workshops! 2015 findet statt!

  • 23. - 26. Oktober 2015 auf der Burg Wildegg bei Mödling
  • Rund 45 verschiedene Workshopse
  • (historisches) Handwerk, Theater und Rollenspiel, Musik und Tanz
  • Menschen, die ihr Hobby lieben, teilen ihre Fertigkeiten und Erfahrung
  • Bunt gemischte Teilnehmer*innen von jung bis alt
  • Übernachtungsmöglichkeit und Vollverpflegung inklusive Ritteressen
  • Online-Anmeldung ab dem 31. August 2015 auf dieser Webseite
  • Wir freuen uns auf euch!

Daten und Fakten

Start: Freitag, 23.10.2015 16:00 (Anreise ab 12:00 möglich)
Ende: Montag, 26.10.2015 16:00
Anmeldung: ab Montag, 31.08.2015 - Mittwoch, 21.10.2015
Frühbucherbonus bei Buchungen vor dem 21.09.2015
Ort: Burg Wildegg bei Mödling 
 
der workshops! ist eine Veranstaltung des profil liverollenspielvereins

Dienstag, 21. Juli 2015

Allerleirau spricht

Mein Herr und König 

KÖNIG. Liebst du mich?
KÖNIGIN. Du bist mein König.
KÖNIG. Liebst du mich!?
KÖNIGIN. Du bist mein Mann, den ich vor Gott und der Welt geheiratet habe, wie kannst du da noch fragen ob ich dich liebe? Du hast nie gefragt, ob ich dich liebe. Du wolltest wissen, wer das Rautierchen ist, das in deiner Küche dient, du wolltest wissen, wer das Mädchen ist, so golden wie die Sonne, wer das Mädchen, so silbern wie der Mond. Du hast das Mädchen geheiratet, so glänzend wie die Sterne - aber ob ich dich liebe hast du noch nie gefragt. Du wolltest wissen, woher das goldene Spinnrädchen, der goldenen Ring und das goldene Haspelchen wären – und erkanntest nicht, dass es die Morgengaben an deine verstorbene Ehefrau waren – aber ob ich dich liebte, hast du nie gefragt.
KÖNIG. Ich habe dir jeden Wunsch erfüllt.
KÖNIGIN. Und du zwangst mich, dass auch ich dir jeden deiner Wünsche erfülle.
KÖNIG. Ich liebe dich!
KÖNIGIN. Das ist nicht recht, das war nie recht und ist gegen jedes Gesetz!
KÖNIG. Dein goldenes Haar…
KÖNIGIN. Wie es meine Mutter hatte. Was du einmal besessen hast, wolltest du niemals wieder hergeben, aber sie ging, sie starb und du musstest bleiben.
KÖNIG. Ihr goldenes Haar…
KÖNIGIN. Genauso, wie meines. Nur deshalb begehrtest du mich. Nur deshalb sahst du mich nach dem Begräbnis an, als hättest du mich niemals zuvor erblickt, nur deshalb blitzten deine Augen so begehrlich. Du liebtest mich nie wie ein Vater seine Tochter liebt, sondern wie ein Mann eine Frau begehrt. Ich bin deine Tochter!
KÖNIG. Du bist meine Königin! Liebst du mich denn gar nicht?
KÖNIGIN: Wie könnte ich…
KÖNIG. Überall, in jedem Dorf, in jeder Stadt, in allen Ländern habe ich nachforschen lassen, ob es noch so ein Mädchen mit goldenem Haar gäbe, wie meine Frau sie hatte, aber du warst die einzige. Das Kleid so golden wie die Sonne, so silbern wie der Mond, so glänzend wie die Sterne und der Mantel aus tausenderlei Rauwerk und dem Fell von jedem Tier im Lande – habe ich dir nicht jeden Wunsch erfüllt, habe ich nicht alles für dich getan? Du hättest die glücklichste Frau unter dem Himmel werden können. Warum hast du nicht eingewilligt? Warum musstest du fliehen und uns allen diese Schmach antun, warum…
KÖNIGIN. Warum ich dieses Spiel mitgespielt habe? Was hätte ich denn sollen. Ich wünschte mir alles das, um mich durch eine unmögliche Aufgabe, wie sie in so vielen Märchen vorkommt, vor der Ehe mit meinem eigenen Vater zu retten! Eine unmögliche Aufgabe war es, aber du hast alles Gold und alles Silber und alle Diamanten in die kostbaren Kleider weben lassen und alle deine Jäger mussten ausziehen, um jedem Tier im Lande ein Stückchen von ihrem Pelz zu stehlen. Und dann kamst du in meine Kammer, du warfst die Kleider vor mich hin. Morgen wird geheiratet, sagtest du zu mir. Ich bin geflohen und ich wurde gefangen... - nein, das Rautierchen wurde gefangen und weil es gut für die Küche war, wurde es in den Verschlag unter der Treppe gesperrt, damit es am Abend die Asche zusammenkehren konnte. Hast du mich denn nicht erkannt?
KÖNIG. Ich habe mir nicht angesehen, was meine Jäger da brachten.
KÖNIGIN. Auf einem deiner Feste tanzte da ein schönes Mädchen.
KÖNIG. Sie glänzte wie die Sonne.
KÖNIGIN. Ein Kleid so golden wie die Sonne. Hast du mich nicht erkannt?
KÖNIG. Ich habe sie begehrt, ihr glänzendes Haar, aber… Ich wollte dich nicht erkennen.
KÖNIGIN. Und die Suppe?
KÖNIG. Sie schmeckte besser.
KÖNIGIN. Als du nichts Besseres mehr mit dir anzufangen wusstest, als dich in ewigen und immer wiederkehrenden Festen und Bällen zu ertränken, da geschah es. Da wollte der Koch auch einmal oben zusehen, sich die feinen Damen in ihren Seidengewändern und die hübschen Knaben ansehen, und das armselige Rautierchen sollte derweil sich um die Suppe kümmern.
KÖNIG. Sie schmeckte besser.
KÖNIGIN. Und Gold war darin.
KÖNIG. Der Ring.
KÖNIGIN. Der Koch musste zu dir kommen und Rechenschaft darüber ablegen, warum er auf einmal eine Suppe zubereiten konnte, die nicht nach Waschwasser und Ratten schmeckte. Und nach dem Kleinod fragtest du ihn, aber er wusste nichts, und schickte das kleine Rautierchen herauf. Und der König starrte das Mädchen unter der Asche und dem Fell an...
KÖNIG. Wer bist du?
KÖNIGIN. Ich bin ein armes Kind, das keinen Vater und keine Mutter mehr hat.
KÖNIG. Wozu bist du im Schloss?
KÖNIGIN: Ich bin zu nichts gut, als dass man mir die Stiefel an den Kopf wirft.
KÖNIG. Wo hast du den Ring her, der in der Suppe war?
KÖNIGIN. Von dem Ring weiß ich nichts.
KÖNIG. Und am nächsten Abend war da wieder ein schönes Mädchen, das strahlte wie der Mond. Ich tanzte mit ihr.
KÖNIGIN. Ein Kleid so silbern wie der Mond. Hast du mich nicht erkannt?
KÖNIG. Ich habe sie begehrt, aber da war sie auch schon wieder weg. Ich wolle nur das Haar, das so golden glänzte, wie das meiner verstorbenen Frau. Nein, sie war ja nicht tot, sie hatte doch mit mir getanzt - so silbern wie der Mond!
KÖNIGIN. Und die Suppe?
KÖNIG. Sie schmeckte besser und ein goldenes Spinnrädchen war darin. Der Koch hatte keine Ahnung und das Rautierchen sagte nichts, und ich wollte das Mädchen unter der Asche und dem Fell nicht erkennen. Ich begehrte sie, aber ich wollte dich nicht darin erkennen, meine Tochter, meine Gemahlin.
KÖNIGIN. Aber das Mädchen kam wieder.
KÖNIG. Sie funkelte, sie glitzerte.
KÖNIGIN. Ein Kleid so glänzend wie die Sterne… Und du konntest deine Begierde nicht mehr beherrschen. Weißt du noch, der Ring…
KÖNIG. Ich steckte ihn ihr an den Finger und im Tanz bemerkte sie es nicht.
KÖNIGIN. Und dann war sie weg. Hast du mich nicht erkannt?
KÖNIG. Ich wollte nicht.
KÖNIGIN. Und die Suppe?
KÖNIG Sie schmeckte besser.
KÖNIGIN. Und was war darin?
KÖNIG. Ein Haspelchen, ein goldenes. Und der Koch wusste von nichts.
KÖNIGIN. Das Rautierchen musste wieder zu dir hinaufkommen. Du hast mich betrogen. Der Ring, den du mir im Tanz aufgesteckt hast. Ich bemerkte den Schmuck erst, als ich Tür öffnete, ich konnte ihn nur noch rasch abziehen und in meiner Tasche verbergen. Die weiße Stelle an menem Finger blieb und verriet mich an dich.
KÖNIG. Meine Liebe verriet mich. Ich wollte dich ja nicht erkennen.
KÖNIGIN. Ich bin doch deine Tochter!
KÖNIG. Die einzige, die so goldenes Haar hat, wie deine Mutter.
KÖNIGIN. Du wolltest zweimal dieselbe Frau heiraten.
KÖNIG. Die weiße Stelle an deinem Finger. Ich musste dich erkennen. Du sagtest gerade wieder, dass du auch von dem kleinen goldenen Haspelchen nichts wüsstest, da packte meine Hand die deine, da schauten meine Augen in die deinen, da musste ich dich erkennen, wie ich dich auch schon vorher erkannt hatte. Das Mädchen, so golden wie die Sonne, so silbern wie der Mond, so strahlend wie die Sterne, warst immer nur du und das Rautierchen war meine Tochter, die ich liebte, weil sie die goldenen Haare meiner verstorbenen Frau hatte.
KÖNIGIN. Du liebst mich nicht.
KÖNIG. Verlangst du auch das noch?
KÖNIGIN. Ich verlange nichts. Du bist mein Vater und ich deine Tochter, du bist mein Herr und König und ich bin deine Frau.


Mittwoch, 1. Juli 2015

Ritterfest Oberkapfenberg 2015

...schrecklich dunkel war die Nacht und wild wogten die Wellen gegen die Klippen. Kein einziges Licht sah man ringsum, nur dort, in der weißen Burg Matelane schimmerte es durch die hohen Fenster: Dort saß der junge König Hetel von Hegelingen und das wundersame Lied, das Herr Horand ihm spielte, erweckte in ihm die Sehsucht nach einem wunderschönen  Mädchen...
Foto von Eva Meierhofer, 2015
http://www.ritterfest.net/index.php/fotogalerie/12-foto-galerie/29-foto-ritterfest-2015
So (oder so ähnlich) durfte ich am vergangenen Wochenende beim Ritterfest auf Burg Oberkapfenberg aus dem Kûdrûn-Lied erzählen. Es war ein wunderbar stimmiger Abend und ich freue mich, dass ich zusammen mit Angus von Tara an der Harfe sogar "die wackeren Helden des Schwertes ein Taschentuch benötigten..."

Danke an alle, die durch ihr Zuhören meine Geschichte(n) zum Leben erweckt haben.
So schaut eine glückliche Märchenerzählerin aus:

Vielen lieben Dank für das fesche Foto an Norbert Eder, 2015, http://www.norberteder.com/

Donnerstag, 25. Juni 2015

Klasse Märchen ;)

Es freut mich immer wieder, wenn ich die Gelegenheit bekomme, vor Schulklassen zu erzählen. Märchen bekommen ein ganz eigenes Leben,  je mehr Ohren ihnen lauschen - und manchmal entstehen beim Erzählen auch ganz neue Geschichten...


 "... Himmel und Erde stritten sich, wer denn der (oder die) Schönere von ihnen beiden sei..."


"...und der Gott ging auf der Erde umher, um diese neuen, bunten Blumen zu bewundern, und weil sie ihm so gut gefielen, roch er an einer..."


Donnerstag, 28. Mai 2015

Sommergeschichten

...der Sommer kommt und bringt neue Geschichten mit sich...

Himmel und Erde


Es heißt, dass irgendwann, als Gott und Göttin noch nicht lange ihr Werk vollendet hatten, Himmel und Erde miteinander zu streiten begannen, wer denn in die schönere Farbe gekleidet sei. Der Himmel war natürlich unglaublich stolz auf sein lichtes Blau, das einmal warm und weich, und manchmal drohen und dunkel schimmern konnte. Die Erde hingegen liebte nichts so sehr, wie ihr tausendfältiges Grün. Hin und her ging der Streit, ohne dass Himmel und Erde sich einigen konnten.
Da bat die Erde einmal heimlich die Göttin um Hilfe, dass doch endlich der stolze Himmel einsehe, dass allein sie die Schönere von beiden sei. So ließ denn die Göttin hier und da auf dem grünen Kleid der Erde bunte Blumen sprießen. Hier ein Tupfen Gelb, dort ein Hauch Rosa, ein bisschen Lila, ein wenig Rot und sogar Wolkenweiß!
Grollend musste da der Himmel einsehen, dass nun die Erde tatsächlich in ein herrlicheres Gewand gekleidet war, als er selbst. Nur dass sich die Erde sogar erdreistete, himmelblaue Blumen wachsen zu lassen, gefiel ihm gar nicht – aber was sollte er denn tun?
Überrascht über die neuen Farben der Erde wanderte da der Gott eines Tages über die nun bunten Wiesen. Weil die jungen Blumen so schön waren, wollte er an ihnen richten – doch da! Was kitzelte ihn so in der Nase? Was kribbelte, was stichelte so? Da musste der Gott so herzzerreißend niesen, dass Himmel und Erde erschrocken die Augen zukniffen!
Als die beiden vorsichtig wieder um sich blickten – da erschrak die grün-bunte Erde! Der Himmel hatte lauter leuchtende Spritzer abbekommen! Verschämt wollte der Himmel sich das Gesicht abwischen, doch da lachte der Gott auf.
„Wenn meine Gefährtin tagsüber die Blumen der Erde zum Leuchten bringt, so sollst du, lieber Himmel, von nun an in der Nacht leuchtende Punkte haben!“ Und er nannte sie Sterne.


Ob Himmel und Erde sich von da an wirklich vertrugen und ihr Streite endlich ein Ende gefunden hatte, weiß ich nicht – aber dass es seither Blumen und Sterne gibt, ist erwiesen.

Samstag, 25. April 2015

Der andere Froschkönig


Der andere Froschkönig

Meine liebste Gabriele, schon wieder hast du mich vor allen Herren bloß gestellt, schon wieder hast mich vor meinen Höflingen und Untertanen lächerlich gemacht! Ich bin doch der König!
Ich war immer gut zu dir, habe dir alles gegeben und erlaubt und was auch immer dein Wunsch war, habe ich dir erfüllt so gut ich konnte…
Nun, du hast wohl Recht – alles, was ich habe und bin, habe ich allein dir zu verdanken. Du hast mich gerettet! Du hast mich erlöst von der grünlichen Schmach, die ich durch den Fluch der alten Zauberin ertragen musste. Aber gib zu, du hättest nichts zu meiner Rettung getan, hätte dich dein Vater – Gott hab ihn selig – nicht dazu gezwungen.
Du schüttelst den Kopf. Du erinnerst dich nicht? Darf ich dich daran erinnern?

Weiß du noch, der Tag, an dem wir einander zum ersten Mal sahen. Das heißt, ich sah dich – du hast mich vermutlich nicht einmal bemerkt... Ich saß da, in der Sonne, auf dem Moos bewachsenen Stein am Brunnen und schaute der jungen Königstochter zu, wie sie mit ihren Freundinnen spielte. Ach wie liebreizend sie doch war!
Die Prinzessin, also du, Gabriele, spielte jeden Tag im Park beim Brunnen. Und eines Tages hatte sie ein neues Spielzeug bei sich: eine goldenen Kugel. Ich will gar nicht wissen, wie viele arme Seelen das Gold dafür aus der Erde schürfen mussten. Die Prinzessin spielte mit der Kugel, warf sie hoch, dass eine neue Sonne aufzugehen schien und fing sie und lachte! Ach, wie sie lachte!
Und der Frosch am Brunnen weinte. Damals war der Frosch von doppeltem Leid geplagt. Schon so lange war er kein junger Mann mehr, sondern musste als hässlicher Frosch zur Strafe sein Dasein fristen, und nun hatte ihn ein noch viel größerer Schmerz gepackt – die Liebe. Du rümpfst die Nase. Ja, ich habe dich einmal geliebt! Geliebt habe ich dich, dass ich fast daran vergangen wäre!
Ich erinnere mich nicht mehr genau, was ich so Schreckliches getan habe, dass mich die alte Zauberin ausgerechnet in einen Frosch verwandelte. ...ich glaube, ich wollte eine Seerose aus dem Teich fischen. Für mich verging die Zeit nicht wie für die anderen. Ich blieb der junge Mann, der ich gewesen war, wenn auch nun in Froschgestalt, während alle anderen, die ich geliebt hatte dahinwelkten und starben. Das Grab meiner Eltern habe ich nie gesehen, nur mein liebster Freund litt mit mir, dass ihm fast das Herz gebrochen wäre.
Aber dann sah ich die Prinzessin, dich, im Park mit der goldenen Kugel spielen und ich verliebte mich in sie, in dich! Als dir dann die Kugel in meinen Brunnen fiel, sah ich meine Chance, meine einzige Möglichkeit auf Rettung und Glück – denn damals hoffte ich noch – gekommen. Du weißt, welche Bedingungen ich dir nannte, ehe ich dir dein Spielzeug wieder brachte. Einen Bissen von deinem Teller, einen Schluck aus deinem Becher und eine Nacht in deinem Bett... Du siehst, ich hätte dir gar nichts Schlimmes antun können, selbst wenn ich gewollt hätte (und ein bisschen wollte ich schon), ich war ja ein Frosch.
Geweint hast du so bitterlich um dein teures Spielzeug...
Du hast zu allen meinen Forderungen „ja“ gesagt, auch wenn ich damals nur ein hässlicher Frosch war und zu niemandes Gesellschaft taugte, bloß dass ich dir die Kugel wieder brächte. Dann hattest du das teure Kleinod wieder und weg warst du. So schnell konnte ich dir bei bestem Willen nicht folgen – das hast du genau gewusst! Aber ich war hartnäckig.
Am Abend, als du beim Abendessen saßt, kam ich vor das Schlosstor und klopfte.
Ausgerechnet du warst es, die das Tor aufmachte. Ein Blick und schon hast du das Tor wieder zugeknallt. Ich denke, dein Vater fragte dich, wer denn da vor der Tür stehe, dass du so unhöflich bist, denn gleich darauf öffnetest du mir wieder und sagtest in jammervollem Ton zu deinem Vater, dass es nur der „alte Wasserpatscher“ sei - der allerdings, ich erinnere dich noch einmal, so nett gewesen war, dir deine Goldkugel aus dem Brunnen zu holen.
Siehst du, Gabriele, schon damals war ich nur gut zu dir und du...
Aber dein Vater war ein weiser und gerechter Mann. „Was man verspricht, das muss man auch halten!“, sagte er und so durfte ich von deinem schönen Tellerchen essen. Nur du hast keinen Bissen mehr genommen. Einen Schluck aus deinem Becher bekam ich auch, nur wolltest du danach keinen Wein mehr trinken.

Und als du schließlich zu Bett gingst, da hofftest du, dass man auf mich vergessen würde. Da erinnerte dich dein Vater, der gute König, an das Versprechen und den traurigen Frosch, der am Tisch saß und auf dich wartete. So wie du jetzt schon wieder deine Nase rümpfst, so hast du sie auch damals in lauter süße, kleine Fältchen gezogen und mich, den „alten Wasserpatscher“, mit den Fingerspitzen angefasst – welch zarter Schauder durchfuhr mich armen verliebten Mann im Frosche! – und mich tatsächlich mitgenommen.
Nein, Gabriele, sei nicht böse! Ich war doch nur ein Frosch, ich hatte keine so verderbten Gedanken! Nur du warst so schön, so wunderschön, ja du warst fast so schön, wie die Sonne selbst! Nur deshalb habe ich mich ja damals in dich verliebt, nur deshalb wollte ich dich sehen und als armer kleiner Frosch mit dir die Decke teilen!
Zuerst hast du mich in deinem schönen Gemach auf die Kommode gesetzt und ich durfte dir zuschauen, wie du dich von deinen Zofen entkleiden ließest, wie man dir dein rotes Korsettchen aufschnürte – ach, wäre ich in diesem einen Augenblick nur kein Frosch gewesen! – und man dir die Strümpfe auszog. Einen ganz kurzen Moment habe ich deine nackten Schultern gesehen, dann verschwandest du hinter dem Paravent.
Du wolltest schlafen gehen, aber dein reizender Anblick hat mich mutig gemacht. Jetzt oder nie,  dachte ich und forderte von dir, mich mit ins Bett zu nehmen. Natürlich hast du angewidert "Nein!" gesagt, aber ich konnte nicht anders, ich sagte: „Was man verspricht, das muss man auch halten!“, wie es zuvor dein Vater gesagt hatte. Kein Wunder, dass du böse wurdest. „Wer dir geholfen hat in der Not, den sollst du nachher nicht verachten!“, rief ich obendrein.
Das war zu viel.
Deine süßen sommersprossigen Wangen röteten sich, du packtest mich – diesmal mit beiden Händen und auf eine solche Art und Weise, dass mir kein wohliger Schauer über den Rücken lief – und schleudertest du mich mit einer solchen Wucht gegen die Wand, dass jeder andere arme Frosch mit verspritzten Eingeweiden daran kleben geblieben wäre.
Aber aus welchem Grund auch immer, dies war meine Rettung, auf die ich schon nicht mehr zu hoffen gewagt hatte! Durch deine Wut hast du den Zauber gebrochen und mich wieder zu einem Menschen gemacht. Wie betroffen du dreinsahst, als statt einem zerplatzten Frosch auf einmal ein nackter Mann vor dir auf dem Boden lag.
Wie könnte ich dir je dafür danken!
Ach, ich war ein Nichts... und abgesehen davon, dass ich nun der König bin, bin ich auch ein armseliges Nichts geblieben. Du lässt es mich ja oft genug spüren. Jede andere Frau, wenn sie mit ihrem Gatten streitet, weiß ihm tausend böse Namen zu geben. Aber du, Gabriele, du nennst mich immer nur, Frosch, Wasserpatscher, Amphibie! Ja, manchmal wünschte ich mir, du würdest mir einmal andere Schmähungen ins Gesicht schleudern...

Damals in jener Nacht ranntest du voll Schreck sogleich zu deinem königlichen Vater, aber der kluge Mann ließ mich nicht köpfen und dann hängen, wie du vorgeschlagen hast, sondern er nahm mich auf der Stelle als Schwiegersohn an, noch ehe ich Zeit hatte um deine Hand anzuhalten.
Bald darauf heirateten wir. Du warst nicht glücklich und mir war das Glück auch schon fast wieder vergangen…

Ja, ich werde gleich schweigen und dich nicht länger behelligen.
Aber erinnerst du dich noch an Heinrich? Den einzigen Freund, der mir von meinem alten Leben geblieben war. Als wir mit der Kutsche zur Kirche fuhren und er neben uns her ritt, da knallte es ein paar Mal so, dass wir beide erschreckt zusammenzuckten und glaubten, ein Rad sei gebrochen. Doch es waren die eisernen Bande, die Heinrich um sein Herz hatte legen lassen, dass es vor Trauer um mich nicht zerspringe, die sich nun lösten.
Er war alt geworden, aber als er mich ansah, da wusste ich, dass er der einzige war, der mich je wirklich geliebt hat – und vielleicht hätte ich ihn auch lieben können.



Donnerstag, 16. April 2015

Die drei Geschenke

Die drei Geschenke

Als Göttin und Gott sich liebten, da wurde es nicht nur Licht und das Land trennte sich von den Wassern, nicht nur kleidete sich die Erde in ihr neues Grün und der Himmel erblaute – es erwachten auch die Menschen. Göttin und Gott freuten sich über ihre Kinder und ließen sie auf dem Land umherlaufen und in den Wassern schwimmen. Sie gaben ihnen Tiere zu jagen und Kräuter zu essen und beobachteten sie bei ihren ungelenken Mühen.
Noch konnten die jungen Menschen nicht sprechen. Alles war ihnen ein stummes Wunder und eine schreckliche Gefahr. Ihr neues Leben war hart und kurz.

Als da der erste Mensch zu träumen begann, da war auf einmal die Nacht nicht mehr dunkel und kalt, der Tag nicht mehr voll schrecklicher Gefahren. Was das harte Leben des Tages den Sterblichen verwehrte, schenkte ihnen die Nacht. Wenn die Menschen nach ihren ersten Träumen erwachten, blickten sie einander aus großen Augen an und konnten nicht begreifen, was geschehen war.
Da wurden Göttin und Gott traurig, denn sie wussten nicht, was auf einmal mit ihren Kindern geschehen war, dass sie so voll Bangen jeden neuen Tag begrüßten. Deshalb berieten sie, was sie tun sollten. „Wenn sie einander erzählen könnten, was sie in ihren Träumen erblickt haben, vielleicht wären sie dann nicht mehr so ängstlich,“ meinte da der Gott.
So schenkten sie den Menschen die Worte und fortan konnten sie miteinander sprechen und erzählten einander, was sie in der Nacht träumten. Doch die jungen Menschen waren nicht lange mit diesem Geschenk zufrieden, das ihnen Göttin und Gott gegeben hatten, denn so oft fehlten ihnen die richtigen Worte, um einander zu beschrieben, welche Bilder ihnen die Nacht geschenkt hatte. Noch viel schwieriger war es für die Menschen, wenn sie erzählen wollten, was sie sich tagsüber mit ihren eigenen Gedanken ausgedacht hatten – es gab nicht genug Worte dafür. Selbst als ein paar besonders kluge Menschen begannen sich selbst neue Worte auszudenken, reichten sie nicht aus.
„Haben wir ihnen die falsche Sprache gegeben?“, fragte da der Gott seine Gefährtin.
„Geben wir ihnen doch noch etwas,“ erwiderte die Göttin. Sie nahm von verschiedenen Pflanzen etwas und noch etwas, nahm ein Stück Erde und gab zu allem einen winzigen Tropfen ihres eigenen Blutes hinzu. „Schenken wir ihnen Farbe.“
So kam es, dass die noch jungen Menschen, aus verschiedenen Zutaten wundersame Farben zu mischen lernten, mit denen sie die Gedanken, für die sie nicht die Worten hatten, auf die Wände ihrer Behausungen malen konnten. Lange waren da die Menschen zufrieden mit ihren Träume und den Bildern, die sie daraus machen konnten.
Doch die Zeit machte unverdrossen das, was sie am besten konnte: sie verging.
Und irgendwann standen die Menschen vor den Bildern ihrer Ahnen und redeten miteinander – doch sie konnten sich nicht mehr erinnern, was diese Zeichnungen einst bedeutet hatten. Da wurden sie wieder unglücklich und manche begannen sogar die alten Bilder zu zerstören, da sie ja ohnehin nicht mehr wussten, welche Träume sie einst erschaffen hatten.
„Wie kommt es, dass die Menschen auch mit diesem Geschenk nicht zufrieden sind?“, fragte da die Göttin betrübt. „Wären sie ohne unsere Gaben glücklicher gewesen?“
Lange berieten Göttin und Gott miteinander und vieles erwogen und verwarfen sie. Da gerieten sie in einen heftigen Streit, dass die Göttin mit großen Schritten über den Himmel davon eilte. Die Wolken zerstoben unter ihre Füße und malten merkwürdige Zeichen an den Himmel. Verwundert blickten da die Menschen zu dem blauen Zelt auf und manche von ihnen begannen die Zeichen, die sie am Himmel erblickten, zu malen.
Da lachte der Gott auf und rief seine Gefährtin zurück. „Sieh, was unser Streit angerichtet hat! Die Menschen haben Zeichen gefunden, mit denen sie ihre Gedanken festhalten können!“
„Wie wollen wir dieses Geschenk nennen?“, fragte die Göttin.
„Nennen wir es doch Schrift,“ erwiderte der Gott und beobachtete die neuen Zeichen, die schon bald überall auf der Welt zu sehen waren. „Von nun an werden die Menschen nichts mehr vergessen, das sie einmal in Worte gefasst haben. Was hätten wir ihnen Größeres schenken können?“ Er freute sich, dass seine Kinder nun endlich zufrieden leben konnten.

Besorgt sah die Göttin jedoch nach einiger Zeit, als die Menschen schon recht gut mit den neuen Zeichen umgehen konnten, dass es immer mehr unter ihnen gab, die wieder nichts damit anzufangen wussten und sehnsüchtig zu den alten Bildern blickten.
Vielleicht sollten wir ihnen noch ein Geschenk machen?“, fragte sie da.
Drei Gaben haben sie von uns bekommen – sollte das nicht genügen?“, erwiderte der Gott.
Die Göttin nickte, doch heimlich wählte sie einen jungen Menschen aus und holte ihn zu sich. Zärtlich gab sie ihm einen Kuss auf seine Lippen, dass er fortan etwas konnte, was sonst keiner konnte: Wenn er sprach, dann erwachten in den Menschen, die ihm lauschten jene Träume, welche die ersten Menschen erblickt hatten, als die Erde zu ersten Mal grün geworden war und der Himmel erblaute.

So wanderte der erste Geschichtenerzähler unter den Menschen und schenkte ihnen die Worte, die sie längst vergessen hatten. Und wann immer die Göttin einen Menschen küsste, gab sie ihm ein Stück Erinnerung an jene ersten Träume wieder.


...fast spüre ich ihren Kuss noch auf meinen Lippen.


Dienstag, 14. April 2015

Ritterfest Oberkapfenberg 27. - 28. 6. 2015


...um Mitternacht, wenn nur noch Feuer die Burg erhellen und die Augen unter dem nächtlichen Sternenlicht funkeln, sollt ihr Geschichten hören...


Zusammen mit dem wunderbaren Harfner Angus von Tara darf ich zu später Stunde auf der Burg Oberkapfenberg in der Steiermark Märchen und Sagen des Mittelalters erzählen. Kommt und lauscht und lasst euch verzaubern...